Hapoel Tel Aviv und Partizan Belgrad unterschreiben bei Treffen mit Spaenle die IHRA-Definition

Bei der Unterzeichnung der IHRA-Definition, hintere Reihe v.l.: Dror Morag, Ludwig Spaenle, Generalkonsulin Talya Lador-Fresher, Ministerialdirektorin Tina Dangl, Robert Singer und Generalkonsul Božidar Vucurović. Vordere Reihe v.l.: Shimon Amsalem und Stav Shaham (Tel Aviv), Dule Karavesovic (Partizan Belgrad). Foto: Andreas Heddergott/StK
MÜNCHEN. Heute, 22. Januar, beriet eine israelische Delegation mit dem Beauftragten der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, für Erinnerungsarbeit und geschichtliches Erbe, Dr. Ludwig Spaenle, über Möglichkeiten, den Antisemitismus im Sport zurückzudrängen. Für Dr. Spaenle ist es „unerträglich“, dass ausgerechnet bei Sportwettkämpfen immer wieder antisemitische Äußerungen fallen und judenfeindliche Handlungen geschehen. „Die Wettkämpfe im Einzel- oder Mannschaftssport sollten Fairness und gegenseitige Wertschätzung fördern, leider ist das nicht immer der Fall“, so Dr. Spaenle.
Gerade seit dem Überfall der Hamas-Terroristen auf Israelis am 7. Oktober 2023 und der Reaktion der Regierung Israels haben Sportlerinnen und Sportler jüdischen Glaubens immer wieder unter antisemitischen Anfeindungen gelitten. Gehäuft haben dies Mitglieder der Makkabi-Vereine wahrnehmen müssen. Zu dem Gespräch hatte der bayerische Antisemitismusbeauftragte in die Staatskanzlei eingeladen.
Robert Singer, Vorsitzender des „Center for Jewish Impact“, sagte bei dem Termin: „When sport, memory, and public leadership come together on German soil, the message is clear and uncompromising. This is an act of responsibility. Ninety years after the Berlin Olympics and more than fifty years after the Munich massacre, the sports world is called upon to choose a side and to lead a values-based stand against antisemitism and hatred. („Wenn Sport, Erinnerung und gesellschaftliche Verantwortungsträger in Deutschland zusammenkommen, ist die Botschaft klar und kompromisslos. Dies ist ein Akt der Verantwortung. Neunzig Jahre nach den Olympischen Spielen in Berlin und mehr als fünfzig Jahre nach dem Olympia-Attentat in München ist die Sportwelt aufgefordert, Partei zu ergreifen und eine wertebasierte Haltung gegen Antisemitismus und Hass einzunehmen.“

Die Delegationen aus Tel Aviv und Belgrad in der Staatskanzlei mit Ludwig Spaenle (l.) und Ministerialdirektorin Tina Dangl (r.) Foto: Andreas Heddergott/StK
Im Anschluss an das Gespräch mit Antisemitismusbeauftragtem Dr. Spaenle, an dem auch Sportdirektor Benny Folkmann von Bayern München zugegen war, haben Repräsentanten von Hapoel Tel Aviv und Partizan Belgrad die IHRA-Definition unterzeichnet. Die Antisemitismus-Definition der International Holocaust Remembrance Alliance beschreibt eindringlich, wie man Antisemitismus erkennt und wie man gegen ihn angehen kann. Auch Talya Lador-Fresher, die Generalkonsulin des Staats Israel, sowie ihr serbischer Amtskollege Božidar Vucurović nahmen an der Begegnung teil. Dr. Spaenle zog das Fazit: „Aus unserer Sicht ist das ein positiver Schritt, weil insbesondere der Sport auf ein junges Publikum prägend wirken kann.“
Anlass für die Begegnung in der bayerischen Landeshauptstadt war das Basketballspiel zwischen Hapoel Tel Aviv und Partizan Belgrad in der Euro League. Zu den Mitgliedern der israelischen Delegation zählten u. a. auch Gil Segal, Vizepräsident des World Jewish Congress und früherer Generaldirektor der Knesset, sowie Dror Morag, Vize-Vorsitzender der World Zionist Organization.
Auch Vertreterinnen und Vertreter von Nichtregierungsorganisationen nahmen an der Begegnung teil. Am Freitag will die Delegation die KZ-Gedenkstätte Dachau und den 2027 eröffneten Erinnerungsort im Olympiagelände in München besuchen.
Ein Bericht über die Veranstaltung auf SAT.1 Bayern ist hier zu sehen.
